1. Gartensymposium in Lindau am Bodensee

Naturgarten

Ich besuche viele Gärten und werde in den kommenden Wochen und Monaten hierüber berichten. Daher freue ich mich sehr, heute auf kurzreisenundmeer.de einen Gastartikel von Bettina Louise Haase zu veröffentlichen. Bettina berichtet hier über das 1. Gartensymposium.

Lindau am Bodensee – Veranstaltungsort für das 1. Gartensymposium

Lindau am Bodensee war die Kulisse für das 1. Gartensymposium am Bodensee, das dort von 3. bis 4. Mai 2018 stattfand. Der Ort war passend gewählt – der alte Baumbestand und die Villen am See machen Lindau zu einem Domizil für Gartenliebhaber und Müßiggänger. Wer Bäume mag, sollte in diese Stadt kommen. Allein im Lindenhofpark stehen ein 150 Jahre alter Mammutbaum, zwei Riesen-Lebensbäume und eine Weihrauchzeder.

Gärten in den Studien

Grund genug also für Monika Grünenfelder vom Verein Bodenseegärten, das 1. Gartensymposium am Bodensee hier anzusiedeln. Referenten wie  Prof. Dr. Bernd Eisenstein von der  FH Westküste (Institut für Management und Tourismus) informierten die Teilnehmer über Fachstudien: In einer Studie „Garten und Parks“ bekamen die Gärten auf dem Ranking Platz zehn vor Schlössern und naturkundlichen Wanderungen. Die Deutschen sind an Gärten mehr interessiert als an Wandern und Radfahren.

Bodensee Gartensymposium 2018, © Bettina Louise Haase
Bodensee Gartensymposium 2018, © Bettina Louise Haase

Insgesamt haben 46 Prozent aller Deutschen Interesse am Thema Garten, davon 66 Prozent Frauen aus höheren Bildungsschichten. Die Garteninteressierten leben überwiegend in Großstädten mit mehr als 500 000 Einwohnern. Gartenliebhaber in Deutschland sind zwischen 30 und 39 Jahren und 60 bis 69 Jahre alt.

Das Interesse an den Gärten ist mit dem Interesse an historischer Architektur verknüpft, die Gartenliebhaber mögen zusätzlich auch anspruchsvolle Kulturerlebnisse und haben kulturelle Ambitionen. Was die Gartendestinationen betrifft, steht an erster Stelle München, gefolgt von Potsdam, Berlin und Bayern. Für den Bodensee ergab die Studie eine sehr gute Positionierung der Gartenthematik für den Bodensee.

Gärten und Medien im Gartensymposium

Allerdings erwähnte die Gartenjournalistin Sarah Fasolin in ihrem Vortrag „Wie Gärten in die Medien kommen“, auch, dass das Netzwerk Gärten am Bodensee noch ein wenig verbesserungsfähig ist. Es würde zu wenig differenziert zwischen großen und kleinen Gärten und ihren jeweils typischen Kennzeichen. Das ist ihrer Meinung nach auch ein Grund, warum es manche Gärten nicht in die Medien schaffen: Um zu erreichen, dass über einen Garten geschrieben wird, muss das Besondere des Gartens transportiert werden.

Hier sei beim Netzwerk Bodenseegärten, das ein länderübergreifendes Netzwerk ist, noch Entwicklungsbedarf. Dazu müssten sich die einzelnen Gärten überlegen, wo ihre Geschichte liegt und diese Geschichten auch passend zur Jahreszeit den Redaktionen vorschlagen. Besonders gut sind Geschichte über Personen zu lancieren, die im Garten arbeiten oder eine spezielle Kompetenz für den Garten haben.

Gärtnerinnen und Gärtner – die Seele der Garten Tulln

Frank Gruber von den Garten Tulln in Niederösterreich erwähnte, wie wichtig  in den Garten Tulln die Gärtnerinnen und Gärtner seien: „Jeder Mitarbeiter von uns muss einen Tag im Jahr im Garten arbeiten“. Seine Mutter nehme von einem Gärtner eher einen Tipp an, als von einem Akademiker. Eine Idee der Garten Tulln, die von den Besuchern sehr gut angenommen wird, sind Inszenierungen. So gibt es dort beispielsweise die Inszenierung des Riesenkürbises einmal in Jahr – übrigens ein absolutes Männerthema, wie Gruber erwähnte. Hier würden Männer sogar weinen, wenn es um die Kür des größten Kürbises ginge.

Einbindung der einheimischen Bevölkerung

Wichtig ist ihm auch die Einbindung der einheimischen Bevölkerung. Seine ökologische Gartenschau ist ein Naherholungsgebiet für Saisonkartenbesitzer auch von weiter weg. Die Leute kämen immer wieder. Crossmarketing ist für ihn ebenfalls von entscheidender Bedeutung: Die Gartenbesucher in Tulln schauen sich auch andere Gärten in der Nähe an. In den Garten Tulln ist die Bevölkerung inzwischen sehr  stolz auf ihre Gartenschau, die Einwohner sprechen von ihrer Stadt als einer Gartenstadt. Das hier auch Egon Schiele geboren wurde, rückt mehr und mehr in den Hintergrund. Die Garten Tulln haben eine Wertschöpfung von vier Millionen Euro pro Jahr. Gruber hat auch in jeder Wochenausgabe der Regionalzeitung eine Geschichte über einen Gärtner aus Tulln mit persönlichem Bezug zu Pflanzen oder zum Garten. Gastronomie ist  bei ihm ebenfalls wichtig – es werden den Gästen nur regionale Produkte angeboten.

Das Leben beginnt erst, wenn man einen Garten angelegt hat

Für Roland Mangold von Faktor Natur beginnt das Leben beginnt erst, wenn man einen Garten angelegt hat. Der Gärtner ist auch für ihn der Schlüssel für das Gefühl zum Garten – der Besucher könne durch einen Gärtner, der ihn durch den Garten leitet, aufnehmen, transferieren und profitieren. Dadurch können Besucher ihre Sehnsucht nach Natur intensiv stillen. Seiner Meinung nach  kann man mit Gartentourismus sehr gut Regionalentwicklung betreiben. Und noch etwas stellte er fest: Fähige Gartenführer/innen sagen im richtigen Moment NICHTS.

 

Bettina Louise Haase ist freie Redakteurin und Autorin in München. Zu ihren Stammkunden zählen überregionale Tageszeitungen in Deutschland, der Schweiz und Österreich, sowie Magazine und Fachzeitschriften.

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